Montag, 30. Juni 2008

Deutschland verliert Finale in Wien

Ballack ewiger Zweiter

Donnerstag, 26. Juni 2008

Spanien ist Deutschland's Finalgegner
Überzeugend dank starker zweiter Halbzeit

In der zweiten Halbfinalpartie trennten sich vor wenigen Minuten Russland und Spanien mit 0:3 von einander. Im Wiener Ernst-Happel-Stadion sorgten Xavi (50.), Güiza (73.) und der erneut ueberragende Silva (82.) fuer die Treffer. Nach einer spielerisch weniger anspruchsvollen ersten Halbzeit bluehten die Spanier im zweiten Durchgang auf und gestalteten das Spiel, ohne jegliche Gegenwehr der Russen, nach ihrem Belieben.

Spanien ist damit der Finalgegner der deutschen Nationalmannschaft, die sich am Vorabend gegen die Tuerkei mit 3:2 durchgesetzt hatte.
Sorgen allerdings bereitet den Spaniern Top-Torschuetze David Villa vom FC Valencia. Der 26-Jaehrige verletzte sich bei einem Freistoß vor dem russischen Strafraum am Fuß und entschied sich sofort, das Spiel zu beenden.
Ob Villa gegen Deutschland auf dem Platz stehen wird, darf allerdings erwarten werden.
Es verspricht ein spannendes Finale zu werden, am Sonntag, den 29.6.2008, um 20.45 live im ARD.


Finalé! Ganz Deutschland feiert -
Tuerkei zurecht enttäuscht


Das bisher heißersehenste Spiel der Deutschen Nationalmannschaft sollte um 20.45 im Baseler St. Jakob-Stadion stattfinden, eben der Arena, in der die Elf von Bundestrainer Loew schon am 19.6. Portugal aus dem Rennen geworfen hatte. Gegner war die Tuerkei, und die Mannschaft von Trainer Fatih Terim war heiß darauf, Deutschland von ihrem Titelkurs abzubringen. Trotz gewaltiger Personalsorgen der Tuerken, die vor dem Spiel laut Medienberichten sogar in Erwaegung gezogen hatten, ihren 3. Torwart Tolga Zengin als moeglichen Edel-Joker auszuspielen, zeigten sie sich im Vorfeld selbstbewusst. Bei Deutschland war der gesperrte Loew wieder auf der Trainerbank anzutreffen. Torsten Frings, der sich im Spiel gegen Oesterreich eine Rippe angebrochen hatte, hoffte nach seiner Spielpause darauf, wieder gesetzt zu sein. Denn, obwohl die Aerzte gruenes Licht fuer den 31-Jaehrigen gegeben hatten, war es keinesfalls selbstverstaendlich, Frings auf den Platz auflaufen zu sehen. Mit den Worten "Never change a winning team" hatte Joachim Loew vor der Partie viel Brennholz in die Flammen der Medien gelegt, aber nie verraten, mit welcher Startaufstellung er in die Partie gehen wuerde. So durften Fans und Medien gespannt sein, fuer welche Taktik sich der Bundestrainer letztendlich entscheiden wuerde...

In etwa so sehr wie der sportlichen Aspekt, wurde auch die vielzitierte deutsch-tuerkische Freundschaft an diesem Sonntag zu einem riesen Thema. Auf allen Kanaelen im Fernsehen, in der Zeitung und im Radio riefen die Menschen zu einem friedlichen Fußballspektakel auf, einer Begegnung bei der, neben all dem Wettbewerb, die Freundschaft im Vordergrund stehen sollte. Auf Fanfesten im ganzen Land sollten Deutsche und Tuerken gemeinsam feiern, auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg sollte es unter 42.000 Besuchern "keine Verlierer" geben, so hieß es. Eine freundliche Geste, doch in diesem Halbfinale sollte es letztendlich doch, zumindest aus sportlicher Sicht, einen Gewinner geben...


In der Anfangsphase gab es zunaechst einen gehoerigen Schocker! - Nicht etwa ein brutales Foul oder eine ausgelassene Torchance ließ bei Millionen Fußballbegeisterten die Kinnlade herunterklappen. Keine falsche Abseitsentscheidung, keine Rangelei unter Spielern, sondern einfach die grausame Darbietung des deutschen Fußball in den ersten Spielminuten stoß bei so ziemlich jedem auf blankes Entsetzen.
Noch bei der Nationalhymne schien es, als uebermannte die Zuversicht auch den letzten Kritiker, als wuerde jeder glauben, Loew liege voellig richtig damit, Torsten Frings auf der Bank zu lassen, um mit der "Portugal-Elf" aufzulaufen. Doch schon nach den ersten Minuten zeigte sich ein deutsche Elf, die auf der ganzen Linie enttaeuschte. Die Tuerkei spielte agressiv aber kontrolliert nach vorne, erkaempfte sich Torchancen in Huelle und Fuelle, und brachten die deutsche Hinterreihe um den Verstand. Metzelder, Mertesacker und Lahm schoben sich den Ball vor dem eigenen Tor hin und her, ohne Kreativitaet, und luden die Tuerken rund um Stuermer Semih Sentuerk zu Torversuchen ein.

Nach reichlich Dusel der Deutschen geschah, was geschehen musste: Nach wiederholtem Angriff ueber die rechte Seite, die Philipp Lahm der Tuerkei heute, wie es schien, als Willkommensgeschenk ueberlassen hatte, knallte der Ball durch den Schuss von Kazim aus 15 Metern an die Latte, direkt vor die Fueße von Ugur Boral, der den Ball irgendwie ins Tor befoerderte. - 1:0 fuer die Tuerkei, 22. Spielminute. Auf der einen Seite die feiernden Tuerken, auf der anderen die Deutschen mit den Haenden vor dem Gesicht.

Jetzt kam so gut wie alles darauf an, wie die deutsche Nationalelf nun reagieren wuerde. Angepeitscht von Emotionsladungen von Seiten der Trainerbank, aber vor allem von gestanden Stammspielern wie Kapitaen Ballack und Torwart Lehmann, schaffte es die deutsche Nationalmannschaft langsam, sich zu einem richtigen Angriff zu ermuntern. Ueber Podolski gelang der Ball auf die linke Seite, der Pass kam im richtigen Moment und Schweinsteiger sprintete, ganz aehnlich dem 1:0 gegen gegen Portugal, in den 5 Meterraum, wo er den Ball auf den Fuß bekam.
Ausgleich! - 1:1, und das nur 4 Minuten nach dem Gegentreffer. Bastian Schweinsteiger, der "Mann des Spiels" vom vergangenen Donnerstag gegen Portugal erzielte hier in seinem 55. Spiel sein 15. Tor, beeindruckend!

Trotz des Treffers blieb eine deutliche Leistungssteigerung allerdings aus. Wenigstens die Abwehr stabilisierte sich langsam, auch Philipp Lahm auf der linken Seite unterliefen gegen Ende der ersten Halbzeit keine Fehler mehr. Fuer einen Aufreger sorgte allerdings noch einmal Simon Rolfes, der nach Zusammenprall mit einem tuerkischen Mittelfeldspieler mit einer klaffenden Platzwunde kurz vor der Pause das Spielfeld verlassen musste.

In der zweiten Halbzeit kam dann jemand, der sich den Spielverlauf sicher anders vorgestellt hatte. Torsten Frings lief fuer den sichtlich mitgenommenen Rolfes auf, der eine seiner schlechtesten Spiele fuer die Nationalmannschaft gemacht hatte. Doch dies traf fast schon auf jeden zu. Auch nach Wiederanpfiff gelang den Tuerken weit aus mehr, als dem WM-Dritten von 2006. Dennoch blieben groeßere Moeglichkeiten fuer die Mannschaft vom Bosporus, wieder in Fuehrung zu gehen aus, und so setzte Deutschland in der Schlussphase mehr und mehr auf den Angriff. Thomas Hitlsperger streifte in der 75. Minute beinahe den Pfosten, als er aus gut 25 Metern seinen beruechtigten "Hammer" auspackte.

Die Tuerkei, die sich in den letzten Partien den Ruf eines "Spaetzuenders" erspielt hatte, zeigte zunehmend Schwaechen in der Defensive. So auch in der 79. Spielminute, als Lahm den Ball von der linken Seiten scharf vor das Tor von Rüstü spielte. Der 35-Jaehrige ließ hier seine fehlende Spielpraxis aufblitzen und ließ Klose vor dem 5 Meter-Raum frei zum Kopfball. - TOOOR! 2:1 fuer die deutsche-"Turnier"-Mannschaft, die scheinbar nicht einmal gut spielen muss, um zum Erfolg zu kommen. Gerade Klose, der sich quasi bei dieser Situation das erste mal gefaehrlich zeigte, kam hier zu seinem 2. EM-Treffer.

Deutschland jubelte, zwar unverdient, dass musste man sich ganz klar eingestehen, aber sie jubelten. Doch gleichzeitig wusste man, man musste die Warnungen bezueglich dem tuerkischen "Last-Minute-Zauber" ernst nehmen. Kaum zu glauben, aber wahr:

In der 86. gab sich Lahm, der eigentlich wieder zu alter Form gefunden zu haben schien, erneut gegen Kazim Kazim geschlagen. Dieser lief zur Grundlinie, passte hinein in den 5-Meter-Raum von Lehmann, wo Sentürk ganz cool zum 2:2 Ausgleich einschieben konnte! Ein verruecktes Spiel wendete sich also noch einmal, dank wunderbarer Mithilfe von Lahm und Lehmann, der in dieser Situation ebenfalls nicht gut aussah.

2:2, zittrige letzte 4 Minuten und eine muehevolle Verlaengerung - das war, worauf sich jeder nun einstellte, egal ob Tuerke oder Deutscher. Doch es sollte anders kommen. Deutschland spielte nach vorne, aehnlich wie nach dem 1:0 der Tuerken, entschlossen und voller Tatendrang. Nur 4 Minuten nach dem Ausgleich passte Hitzsperger auf Lahm, der schlaengelte sich irgendwie hindurch durch die letzte verteidigende Mauer der tuerkischen Nationalmannschaft und ließ dem herauspolternden Rüstü keine Chance - 3:2 fuer Deutschland, und dass in der Nachspielzeit dieses Halbfinales! Die Begeisterung kannte jetzt keine Grenzen mehr. Die 4 Minuten der Nachspielzeit spielte Deutschland cool herunter, dann stand es fest: Kein erneutes last-Minute-Goal der Tuerkei mehr,
Deutschland ist im Finale dieser Europameisterschaft 2008!